Wislicenus-Archiv

Hans Wislicenus (* 3.12.1864 Weimar, + 13.12.1939 Berlin)

Hans Wislicenus war Schüler der Düsseldorfer Akademie von 1882 bis 1889 und setzte seine Studien bei Alfred Philippe Roll und Eugène Carrière in Paris fort. Er debütierte auf der Internationalen Kunstausstellung 1891 in Berlin mit einem Werk Reise-Intermezzo vor 200 Jahren, das weithin Beachtung gefunden zu haben scheint. Wislicenus beschickte zwischen 1893 und 1916 häufig die Große Berliner Kunstausstellung, meist mit Bildnissen. Nachweisbar sind im einzelnen auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1909 Strandblumen und 1910 Bildnis des Herrn Geh. Rats S. Später verlegte er sich fast gänzlich auf Porträts. Seine zahlreichen Bildnisse einflussreicher und wohlhabender Persönlichkeiten vermitteln eine Vorstellung vom Wandel der gehobenen Berliner Gesellschaft im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Er war der Sohn des angesehenen Historienmalers Hermann Wislicenus (*1825 Weimar, + 1899 Goslar). Dieser war besonders durch seine Fresken in der rekonstruierten Kaiserpfalz Goslar bekannt geworden. Dort hängt noch heute sein Portrait von der Hand seines Sohnes Hans.

Hans Wislicenus: Gemälde

Hans Wislicenus: paintings

Hans Wislicenus war verheiratet mit der Bildhauerin Lilli Finzelberg (*5.11.1872 Andernach, + 14.12.1939 Berlin). Von ihrer Hand gab es in Berlin zahlreiche Werke, zum Beispiel in der Technischen Hochschule Charlottenburg, von denen weniges die Zeiten überdauert hat. Erhalten ist ihr und ihres Mannes Grabmal auf dem Friedhof in Berlin-Wilmersdorf, mit einer anmutigen bronzenen Frauengestalt, die eine Rose niederlegt, ferner das Jugendstil-Grabmal für Paul Köthner, 1902, auf dem Friedhof der Friedrichswerderschen Gemeinde in Berlin, Bergmannstraße.

Sie war die zweite Tochter des Chemikers Hermann Finzelberg (*1847 Luckenwalde, + 1922 Berlin), der bei der Firma Schering eine einflussreiche Position innehatte. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr lebte sie bei ihrem Onkel Hermann Wislicenus in Düsseldorf und heiratete 1896 ihren Vetter Hans. In einem im Archiv von Beyer-Schering befindlichen Tagebuch von Albrecht Schmidt wird sie als mütterlicherseits Nachfahrin des Philosophen Lichtenberg bezeichnet. Beschrieben wird sie dort als blond mit lockigen Haaren und graublauen Augen, gutherzig, lieblich und zart, weiche Seele, zarte Erscheinung, sieghafte Schönheit, grazile Gestalt. Sie sei auch Bismarck vorgestellt worden und habe ihn modelliert. Ein Bauernjunge mit zwei Blumentöpfen war als Geschenk von ihr im Empfangszimmer Bismarcks in Friedrichsruh.

Der mehrfach porträtierte Sohn Hans Hermann Wislicenus (* 1898 Berlin, + 1983 Nizza) wurde ebenfalls Maler. Er emigrierte nach Frankreich, wo er seinen Namen in Jean Visly umformte.

In der Familie Wislicenus hat es zwei weitere namhafte Chemiker gegeben, und zwar Wilhelm Wislicenus (* 1861 Zürich, + 1922 Tübingen) und seinen Vater Johannes Wislicenus (* 1835 bei Querfurt, + 1902 Zürich), Sohn des Theologen Gustav Adolf Wislicenus (* 1803 bei Eilenburg, + 1875 Zürich).

 

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